DRK-„Tagewerk“: Wie sich der Alltag in einer Nordhorner Tagespflegeeinrichtung gestaltet

Johanne Schröder ist eine „waschechte Nordhornerin“, wie sie sagt. Mehr als fünf Jahrzehnte war sie als Verkäuferin tätig, davon viele Jahre im früheren „Kaufring“ in der Innenstadt. Heute ist die sympathische Seniorin 85 Jahre alt und bewohnt noch immer eine eigene Wohnung. Vier Mal pro Woche besucht sie allerdings von morgens bis zum späten Nachmittag das „Tagewerk“ des Deutschen Roten Kreuzes. „Es macht mir unglaublich viel Spaß“, sagt sie. „Das ist nicht gelogen.“ Doch was ist eigentlich eine Tagespflegeeinrichtung? Und wie sieht dort der Alltag aus?

Der wohl größte Unterschied gegenüber einem stationären Pflegeheim liegt darin, dass die Gäste dort nicht übernachten, sondern morgens von einem Fahrdienst zu Hause abgeholt und abends wieder heim gebracht werden. Ebenso kann selbst festgelegt werden, an wie vielen Tagen pro Woche das Angebot wahrgenommen wird. Die Beweggründe fallen ganz unterschiedlich aus: Sei es der Haushalt, der nicht mehr in vollem Umfang bewältigt werden kann, oder schlichtweg der Wunsch nach Gesellschaft. Auch die Entlastung der pflegenden Angehörigen spielt eine wichtige Rolle. Voraussetzung ist die Einstufung der Tagesgäste ab Pflegegrad 2.

Das DRK-„Tagewerk“ an der Comeniusstraße in Nordhorn hat im Jahr 2013 seinen Betrieb aufgenommen und ist montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Seit einem Jahr leitet Viktoria Raaz die kleine Einrichtung, welche über zwölf Plätze verfügt. Die Leiterin schätzt besonders die familiäre Atmosphäre im „Tagewerk“ und sagt: „Es ist immer wieder spannend, was die älteren Menschen zu erzählen haben.“

Der Tag beginnt am Morgen mit dem gemeinsamen Frühstück, gefolgt von der Zeitungsrunde: Hier verlesen die Pflegekräfte ausgewählte Artikel aus den Grafschafter Nachrichten, ebenso die Anzeigen der Verstorbenen. Anschließend werden Aktivitäten wie Gymnastik oder Gedächtnistraining veranstaltet. Um 12 Uhr wird das Mittagessen serviert – nicht vorportioniert, sondern in Schüsseln, sodass sich jeder wie zu Hause davon bedienen kann. In der Mittagsruhe nach dem Essen können die Gäste entweder im Gemeinschaftsraum bleiben, auf die Terrasse gehen oder sich in eines der Ruhezimmer zurückziehen. Nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen, danach werden Spiele gespielt. Ein Singkreis schließt den Tag ab.

„Der Schwerpunkt liegt hier auf der Betreuung und Aktivierung der pflegebedürftigen Menschen“, sagt Viktoria Raaz. Grundsätzlich verfolge man den Ansatz, die Selbständigkeit und Würde der Menschen zu bewahren. Johanne Schröder etwa erledigt zu Hause den Abwasch noch selbst. „Ich habe eine sehr schöne Wohnung“, betont sie. Hilfe beim Einkaufen erhält sie von ihrer Tochter, weitere Unterstützung leistet eine Mitarbeiterin des ambulanten Pflegedienstes.

Als Johanne Schröder vor zweieinhalb Jahren erstmals das „Tagewerk“ besuchte, habe sich das zunächst etwas fremd angefühlt, berichtet sie – doch das habe sich sehr schnell gelegt. „Ich bin so gerne hier“, sagt sie.

Viktoria Raaz und ihre Stellvertreterin Christiane Jobs haben Verständnis dafür, wenn Unsicherheiten vor dem Besuch einer Tagespflegeeinrichtung bestehen: „Viele schrecken erst zurück, sehen dann aber, dass das hier ein nettes Beisammensein ist“, sagt sie. Ein paar Plätze seien im „Tagewerk“ noch frei. Je nach Pflegegrad stelle die Pflegekasse zusätzliche Gelder für die Tagespflege bereit. „In vielen Fällen ist es sogar möglich, die Tagespflege ohne Zuzahlung in Anspruch zu nehmen“, berichtet sie. Bei Rückfragen können sich Interessierte telefonisch unter 05921-7881400 an die Einrichtung wenden.

Johanne Schröder gibt an, sie sei jeden Morgen froh, wenn es zum „Tagewerk“ geht. Trotz einiger persönlicher Schicksalsschläge in den zurückliegenden Jahrzehnten hat sie sich ihre Lebensfreude nicht nehmen lassen. Voller Überzeugung sagt sie: „Schlechte Laune habe ich nie.“

Text und Fotos: Sebastian Hamel