Migranten, die in ihre Heimat zurückkehren möchten oder müssen, können seit Kurzem ein besonderes Informationsangebot des Deutschen Roten Kreuzes in Anspruch nehmen: die Rückkehrberatung im DRK-Zentrum für Migration und Flüchtlinge. Ansprechpartner für die Betroffenen selbst, aber auch für Flüchtlingspaten, ist Nicolas Müller-Wiehl.

Ein wesentlicher Aspekt bei der Beratung ist die Beantragung finanzieller Mittel bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Durch die sogenannten REAG/GARP-Programme werden Gelder für Transfer und Flug sowie eine Starthilfe hier und im Heimatland bereitgestellt. Im Idealfall erhalten Rückkehrer bis zu 1000,-Euro hier am Abflughafen und weitere 1000,-Euro in der IOM- Mission im Heimatland. Die Höhe der Starthilfe und der Reisebeihilfe variiert je nach Zielland und ist für eine Familie z.Zt. bei 3500,-Euro Starthilfe gekappt. Des Weiteren erhalten Rückkehrer eine so genannte Reisebeihilfe die zwischen 50,-Euro und 200,- Euro für einen Erwachsenen und zwischen 25,-Euro und 100 Euro für ein Kind beträgt.

Bei der DRK-Rückkehrberatung wird jeder Fall individuell in den Blick genommen, um die jeweiligen Unterstützungsmöglichkeiten zu erörtern. So gibt es durch die IOM etwa auch Hilfe im Bereich Wohnen als Sachleistung nach der Rückkehr für z.B. finanzielle Hilfe bei der Miete so wie medizinische Unterstützung etc.. Zudem kann z.B. über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ein sogenannter ERRIN-Antrag zur Förderung der z.B. beruflichen „Reintegration“ gestellt werden. Hier handelt es sich um eine europäische Reintegrationsmaßnahme die ursprünglich von den Niederlanden ins Leben gerufen wurde.

Die Beratung beginnt mit der Erstellung eines Profils des Klienten, wobei unter anderem die schulische und berufliche Bildung sowie der Grund der Ausreise in den Blick genommen werden. Zudem müssen die Betroffenen darlegen, dass sie mittellos sind. Anschließend zeigt der Berater die entsprechenden Möglichkeiten auf. Häufig ist ein Termin nicht ausreichend, bisweilen ist auch ein Folgegespräch mit tiefer gehender Beratung erforderlich – etwa zu Fortbildungsmöglichkeiten in Deutschland oder im Heimatland.

Nicolas Müller-Wiehl betont, dass die Beratung freiwillig und unverbindlich ist. „Wir sind nicht der verlängerte Arm des Ausländer- oder Sozialamts“, sagt er. Vielmehr verstehe man sich als Bindeglied, das auf einer großen Vertrauensbasis agiert: „Die Menschen sollen nicht den Eindruck bekommen, wir wollten sie loswerden. Es geht darum, Lösungen für die Rückkehrwilligen zu finden und über verschiedene Möglichkeiten zu informieren.“

Der Kontakt zum Ausländeramt besteht aber insofern, als man einer drohenden Abschiebung möglichst zuvorkommen möchte: „Auch seitens der Regierung ist es gewünscht, dass eine freiwillige Ausreise immer Vorrang hat.“ Von Vorteil seien auch die kurzen Wege innerhalb des DRK-Zentrums für Migration und Flüchtlinge, da viele Kollegen bereits zuvor mit den Klienten zu tun hatten.

Die durch das BAMF initiierte Stelle der Rückkehrberatung beim DRK ist zunächst auf ein Jahr befristet und soll nach einer Evaluierung gegebenenfalls verlängert werden. Die Beratungsgespräche finden im DRK-Zentrum oder vor Ort bei den Klienten statt. Termine können mit Nicolas Müller-Wiehl telefonisch unter 05921 883682 oder per E-Mail an rueckkehrberatung@drk-grafschaft-bentheim.de vereinbart werden.

Text und Foto: Sebastian Hamel